Treibstoffkosten waren schon immer ein wichtiger Faktor bei der Preisbildung von Charterflügen. Mit nachhaltigem Flugkraftstoff (Sustainable Aviation Fuel, SAF) kommt eine weitere Ebene der Komplexität hinzu, und wir werden oft gefragt, wie sich das auf die Kosten auswirkt. Wir wollen bei SAF nicht zu viel versprechen, sondern einen klaren, realistischen Blick auf die Zahlen geben.
Diese Woche schließen wir unsere Reihe zu diesem Thema ab. Zuerst haben wir erklärt, was SAF ist und warum es wichtig ist, dann die unterschiedliche Praxis bei Charter und kommerzieller Luftfahrt beleuchtet. Jetzt geht es um die Finanzen.
Was SAF heute kostet
Um es direkt zu sagen: SAF ist nach wie vor deutlich teurer als herkömmliches Kerosin. 2025 kostet SAF rund das 4,2-Fache des konventionellen Kraftstoffs. Der Aufschlag entsteht oft durch Compliance-Gebühren und die Logistik der Lieferkette, nicht nur durch die Herstellung.
In konkreten Zahlen:
- —Herkömmliches Jet A-1: rund 0,95 € pro Liter in Europa (Stand September 2025).
- —SAF-Aufschlag: zusätzlich 1,90 € bis 3,80 € pro Liter, je nach Beimischung und Region.
Bei einem zweistündigen Charterflug mit einem Light Jet, der 800 Liter verbraucht, davon 10 % SAF, können die gesamten Treibstoffkosten von etwa 760 € auf 912 € bis 1.064 € steigen.
Warum regionale Unterschiede entscheidend sind
Es kommt darauf an, wo Sie fliegen.
- —Europäische Märkte: Die ReFuelEU-Verordnung der EU sieht finanzielle Sanktionen bei Nichteinhaltung vor, was für Operator eine komplexe Kosten-Nutzen-Abwägung ergibt.
- —Flüge in den USA: Die USA bieten dagegen Steuergutschriften wie die Section-45Z-Gutschrift von 1,75 US$ pro Gallone, die die Nettokosten von SAF für Abflüge von US-Flughäfen senken kann.
- —Der Vorteil der Niederlande: Die SAF-Produktion in der Nähe von Schiphol senkt die Transportkosten und führt oft zu günstigeren Preisen als in Regionen, die auf importiertes SAF angewiesen sind.
Erfahrene Flugunterstützung ist unverzichtbar, um diese regionalen Unterschiede zu berücksichtigen und die Treibstoffkosten zu optimieren.
Treibstoffkosten nach Flugzeugkategorie
Je nach Flugzeug kann Treibstoff 25 % bis 60 % der gesamten Betriebskosten eines Charters ausmachen:
- —Light Jets: Diese Flugzeuge verbrauchen weniger Treibstoff (100 bis 150 Gallonen pro Stunde), sodass der absolute Mehrpreis durch SAF besser zu tragen ist.
- —Midsize Jets: Treibstoff macht in der Regel 40 bis 50 % der Kosten aus, wodurch SAF ein größerer Budgetposten wird.
- —Heavy Jets: Mit dem höchsten Verbrauch (300 bis 500 Gallonen pro Stunde) wirkt sich SAF hier am stärksten auf die Kosten aus. Die Passagiere sind jedoch oft Firmenkunden mit konkreten ESG-Vorgaben, die mit dem Aufschlag rechnen.
Wann lohnt sich die Investition in SAF?
Trotz der hohen Kosten gibt es strategische Gründe für SAF.
Für viele Firmenkunden ist Nachhaltigkeitsberichterstattung keine Kür mehr. Detaillierte Daten zu Scope-3-Emissionen sind Pflicht, und SAF ist eines der wenigen verfügbaren Mittel, um hier anzusetzen. Wo Kundinnen und Kunden Operator mit Umweltprogrammen bevorzugen, ist ein SAF-Angebot zu einem echten Wettbewerbsvorteil geworden.
Zudem können betriebliche Effizienzgewinne im Charter, etwa direkte Routen, die den Verbrauch um 15 bis 25 % senken, einen Teil des SAF-Aufschlags ausgleichen. Das gilt besonders für moderne, sparsame Flugzeuge wie den Airbus A330-900neo.
Budgetstrategien für einen komplexen Markt
Wer die SAF-Kosten im Griff behalten will, braucht einen transparenten und flexiblen Ansatz.
- 01Umweltkosten einzeln ausweisen: Wird der „grüne Aufschlag“ im Angebot separat aufgeführt, sieht die Kundschaft, wofür sie bezahlt, und der Wert von SAF wird greifbar.
- 02SAF als Option anbieten: Nicht alle Kundinnen und Kunden haben dieselben Prioritäten. Als Wahloption angeboten, lässt sich SAF mit Budget und Nachhaltigkeitszielen in Einklang bringen.
- 03Strategische Routen- und Flughafenplanung: Flughäfen mit lokaler SAF-Versorgung oder günstigeren Preisen zu wählen, ist ein wichtiger Teil des Kostenmanagements.
Häufige Fragen
Wie viel teurer ist SAF als herkömmliches Kerosin?
2025 kostet SAF etwa das 4,2-Fache von herkömmlichem Kerosin. Je nach Beimischung kann das den Treibstoffanteil an den Kosten eines Charterflugs um 20 bis 40 % erhöhen.
Welchen Anteil an den Kosten eines Charterflugs hat der Treibstoff?
Treibstoff macht in der Regel 25 bis 40 % der Gesamtkosten bei Light Jets aus, 40 bis 50 % bei Midsize Jets und bis zu 60 % bei Heavy Jets für die Langstrecke.
Gibt es finanzielle Anreize für SAF?
Ja, aber sie unterscheiden sich je nach Region. Die USA gewähren eine erhebliche Steuergutschrift (1,75 US$ pro Gallone), während in Europa der wichtigste finanzielle Anreiz darin besteht, hohe Strafen für die Nichteinhaltung der Vorgaben zu vermeiden.
Wann ist SAF für Kundinnen und Kunden finanziell sinnvoll?
Am ehesten für Unternehmen mit ESG-Berichtspflichten oder mit Aktivitäten in Märkten wie der EU, in denen künftige Strafen für Nichteinhaltung voraussichtlich höher ausfallen als die heutigen Kosten für SAF.
Wie lassen sich die Kosten für SAF minimieren?
Die Kosten lassen sich steuern durch eine strategische Flughafenwahl für bessere Preise, optimierte Flugrouten mit geringerem Gesamtverbrauch, teilweise SAF-Beimischungen (z. B. 20 bis 30 %) und die Wahl sparsamerer Flugzeuge.
Kostenentwicklung und Ausblick
Die SAF-Kosten dürften mit wachsender Produktion sinken, die Preise werden aber auf absehbare Zeit wahrscheinlich über denen herkömmlicher Kraftstoffe liegen. Staatliche Initiativen wie der Förderfonds der EU über 100 Millionen € sollen für Preisstabilität sorgen, doch der Markt steckt noch in den Kinderschuhen.
Eine wichtige Entwicklung ist die Vermarktung von Scope-3-Emissionsgutschriften. Wie Aviation Week berichtet, könnten Operator diese Gutschriften bald an Geschäftsreisende verkaufen und so die Preislücke zwischen SAF und herkömmlichem Kerosin verkleinern.
Vorerst gilt: SAF ist Teil eines größeren und komplexeren Bildes. Es hilft, Berichtspflichten zu erfüllen und Engagement zu zeigen, ist aber noch kein einfacher, kostengünstiger Ersatz für herkömmlichen Kraftstoff.
Eine erfolgreiche Umsetzung bringt den greifbaren Nutzen mit der wirtschaftlichen Realität in Einklang: eine komplexe Koordination, die am besten bei erfahrenen Charterspezialisten liegt.
Mehr zu Charterkosten und Abläufen finden Sie in unserem umfassenden Flugzeugguide. Oder nehmen Sie Kontakt mit unserem Team auf, um zu besprechen, wie sich diese Faktoren auf Ihren Bedarf auswirken.
